Einschläferung: Ja oder Nein?

| TiR-KTK-BB

Die Entscheidungsfindung im Vorfeld einer Einschläferung gehört im Zusammenspiel zwischen Tierärzten und Tierhaltern zu den schwierigsten Situationen in der tierärztlichen Praxis. Es ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben, einem Menschen die Sinnhaftigkeit oder Notwendigkeit eines Todes zu erklären. Oft wird Tierhaltern der Rat gegeben, das Tier zu erlösen, wenn es keine Lebensqualität mehr habe. Doch wie genau definiert man Lebensqualität bei einem Tier? Das Wort ist nicht nur gleichzusetzen mit „schmerzfrei“, sondern es zählen auch:

1. Nahrungsaufnahme: Ein Tier, das sein Leben lang gerne und viel gefressen hat und plötzlich die Nahrungsaufnahme einstellt, tut dies nicht ohne Grund. Meistens versteckt sich hinter diesem Symptom eine ernst zu nehmende Krankheit. Wir sprechen hierbei nicht von der Katze, die die neue Futtermarke erst einmal drei Tage lang ablehnt, sondern von einem Tier, dass über einen längeren Zeitraum nicht richtig frisst und stetig an Gewicht verliert. Zum Punkt Nahrungsaufnahme zählt auch die ausreichende Versorgung mit Wasser, denn: Wasser ist Leben. Hat das Tier von alleine keine Kraft oder Anreize mehr, Wasser aufzunehmen, obwohl es ihm frei zur Verfügung steht, besteht dringender Handlungsbedarf.

2. Teilnahme am Leben: Jeder Tierhalter sollte bei seinem Tier einschätzen können, ob es sich „normal“ verhält. Empfindet es Freude wie früher? Nutzt er seine Instinkte und Sinne wie gewohnt? Hat das Tier Schmerzen? Starke, akute Schmerzen, wie bei einer Pfotenverletzung, können oft sehr gut eingeschätzt werden. Schwieriger wird es bei schleichenden Schmerzen, die über einen langen Zeitraum wachsen. Hierbei fällt es Tierhaltern oft schwer einzuordnen, ob das zum normalen Alterungsprozess des Tieres gehört, oder ob eine Krankheit vorliegen könnte. Sätze wie „In seinem Alter mag er Treppensteigen einfach nicht mehr so gerne, daher hat er seinen Platz jetzt unten im Flur.“ hat sicher jeder schon einmal gehört. Verändert sich das Tier im Alter, sind in den meisten Fällen Schmerzen der Grund dafür. Neben Schmerzen bezieht sich der Punkt „Teilnahme am Leben“ aber auch auf die Persönlichkeit des Tieres. Verändert sich das Verhalten des Tieres enorm, wird es vielleicht sogar aggressiv, unsauber oder asozial gegenüber Artgenossen, muss dies als reduzierte Lebensqualität gewertet werden.

Hilfestellungen zur Trauerbewältigung finden Sie auch in dem Praxisleitfaden für tiermedizinisches Personal von Svenja und Emanuel Holle: Tod und Trauer in der Kleintierpraxis. Euthanasie kompetent begleiten. Schlütersche 2019, ISBN 978-3-89993-977-4